{"id":1236,"date":"2024-08-19T17:33:20","date_gmt":"2024-08-19T15:33:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hannahannea.de\/?p=1236"},"modified":"2024-11-28T09:09:48","modified_gmt":"2024-11-28T08:09:48","slug":"die-gute-mutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hannahannea.de\/?p=1236","title":{"rendered":"Die gute Mutter"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich lese einen Post auf Insta, betitelt mit \u201eKeine gute Mutter\u201c. Die Influencerin &#8220;marliesjohanna&#8221; beschreibt, dass sie heute keine gute Mutter war, dass sie \u201egebr\u00fcllt, geschimpft und gedroht\u201c und dem Kind sogar Angst gemacht habe. Das Kind habe geweint. Sie begr\u00fcndet ihr eigenes Verhalten damit, dass \u201ein mir drin etwas anderes w\u00fctet und tobt, immer wieder und wieder\u201c. Sie beschreibt, wie sehr sie ihr Kind liebt und wie leid es ihr tut, dass sie eigene Anteile auf das Kind \u00fcbertr\u00e4gt. Ihre innere Stimme fl\u00fcstere ihr bspw. zu, dass ihr Kind \u201eleise sein sollte, brav und angepasst und es zu viel will, immer mehr und mehr und mehr\u201c. Sie schreibt, wie sie selbst \u00fcber ihre innere Stimme und ihre Ausraster erschrickt und schreibt weiter: \u201eAber ich wei\u00df, dass das Monster nicht weggeht, wenn ich es nicht an die Hand nehme. Weil es kein Monster ist. Es ist ICH.\u201c Die L\u00f6sung ist f\u00fcr sie, \u201edas kleine M\u00e4dchen, dass sich dort versteckt, dass ich auch bin und das gut ist\u201c an die Hand zu nehmen \u2013 also mit ihrem inneren Kind zu arbeiten, eigene Anteile aufzuarbeiten, um es am n\u00e4chsten Tag besser machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschrocken nehme ich zur Kenntnis, wie viele tausend Likes der Insta-Beitrag hat und scrolle zu den Kommentaren. Mehr als 200-fache Best\u00e4tigung. Tr\u00e4nen der Erleichterung. Anderen geht es auch so. Dankesworte an marliesjohanna, denn sie bringt das eigene Erleben so gut auf den Punkt. Ungl\u00e4ubig scrolle ich von Kommentar zu Kommentar. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c fragt die ethnografisch forschende Neugierde in mir. Was ist hier los? Ganz klar befinden wir uns hier in der Bubble der BO-Community. Wir erziehen unsere Kinder liebevoll und bindungsorientiert. Da geh\u00f6ren keine Ausraster dazu. Auch keine Strafen oder Manipulation von Kindern. Augenh\u00f6he, Liebe, Respekt, Akzeptanz, sind Schlagworte dieser Runde. Soweit so gut. Werte, die f\u00fcr sich stehen und nach denen wir irgendwie alle streben. Ich w\u00fcrde behaupten niemand f\u00fchlt sich gut, wenn er\/sie das eigene Kind angeschrien hat und doch passiert das jedem Elternteil mal. Um nicht falsch verstanden zu werden: ich lehne jegliche Gewalt an Kindern ganz entschieden ab und m\u00f6chte in keiner Weise legitimieren, dass Kinder angebr\u00fcllt oder gar hart angefasst werden. Was mich aber erschreckt, ist der Konsens dieser Community: Wir erziehen unsere Kinder bindungsorientiert und liebevoll. Wir wollen nicht ausrasten und tun es doch, weil es so hart ist, weil wir so schlecht gepr\u00e4gt wurden in unserer eigenen Kindheit. Wir wollen es besser machen und arbeiten jetzt an unserem inneren Kind (allein und ohne therapeutische Begleitung? \u2013 ich w\u00fcsste jetzt nicht auf Anhieb, wie das geht). Wir psychologisieren das Problem, gehen es an und machen es morgen besser. Das Problem wird so individualisiert und die Verantwortung, es morgen besser machen zu wollen und zu m\u00fcssen liegt allein bei den M\u00fcttern. Es gibt keine Idee davon, dass es vielleicht auch Entlastung und Unterst\u00fctzung br\u00e4uchte, wenn Ausraster zur Regelm\u00e4\u00dfigkeit werden. Denn am n\u00e4chsten Tag wird deutlich: Es hat wieder nicht geklappt! Dann kommen M\u00fctter in einen Kreislauf der eigenen Verurteilung. Sie sch\u00e4men sich \u00fcber ihr eigenes Verhalten und sagen sich selbst: Ich bin keine gute Mutter!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir M\u00fctter wollen Familienleben ver\u00e4ndern. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt. Aber es kostet uns alle Kraft, wir sind verunsichert und rasten aus. So sind wir keine guten M\u00fctter! Wir suchen Hilfe und Best\u00e4tigung in der Community, finden sie und machen gerade so weiter. Denn wir sind in jedem Fall auf dem richten Weg. Bindungsorientierung ist DIE L\u00f6sung!<\/p>\n\n\n\n<p>Achtung: Hier wird mit einem idealen Leitbild gearbeitet, das nicht erreichbar ist! M\u00fctter sollen allzeit gut sein. Nicht w\u00fctend, oder wenn, dann wenigstens das eigene Gef\u00fchl rechtzeitig bemerken, benennen und gegensteuern. Zumindest gut in der Selbstf\u00fcrsorge sollten M\u00fctter sein, damit die Ausraster weniger werden. Dann k\u00f6nnen sie eine gute und sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen und ihnen die bestm\u00f6glichen Startchancen in unserer chaotischen Welt erm\u00f6glichen. Die M\u00fctter sind verantwortlich! Und sie m\u00fcssen verf\u00fcgbar sein. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie mehr Stunden arbeiten gehen als der Durchschnitt, wenn sie sich rausziehen aus dem Familienalltag, weil sie eine Pause brauchen, wenn sie nicht 24h f\u00fcr ihre Kinder da sind. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt noch schlimmer. Dieses unerreichbare Idealbild macht nicht nur den M\u00fcttern, die danach streben enormen Druck, sondern f\u00fchrt zu einer \u00fcberheblichen Haltung all denjenigen M\u00fcttern gegen\u00fcber, die vermeintlich weit vom Ideal entfernt sind. So berichtet mir eine Freundin von einem Gespr\u00e4ch in einer Gruppe von M\u00fcttern. Eine der Frauen emp\u00f6rte sich dar\u00fcber, wie es denn sein k\u00f6nne, dass manche Eltern ihre Kinder bis zum sp\u00e4ten Nachmittag in einer Einrichtung betreuen lassen. Sie behauptete, diese Eltern w\u00fcrden sich zu wenig Zeit f\u00fcr die eigenen Kinder nehmen. Meine Freundin merkte an, dass es Familien gibt, in denen beide Elternteile lange arbeiten m\u00fcssten, um gen\u00fcgend Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie zu erwirtschaften. Unverst\u00e4ndnis. Nicht nur von der einen Mutter in der Runde.\u00a0 Erschrocken hielt sich meine Freundin mit weiteren Kommentaren zur\u00fcck. &#8220;Wie kann es sein, dass manchen Menschen der Weitblick f\u00fcr Familien in anderen Lebenssituationen fehlt?&#8221;, fragt sie mich und wir schauen einander betroffen an. Es ist erschreckend, wie sehr das Ideal einer bindungsorientierten Erziehung (so gut es in seinem Kern auch ist) zu Verurteilung und Ausschluss anderer f\u00fchrt! Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch Menschen mit Weitblick und einer offenen Haltung gegen\u00fcber anderen Lebens- und Erziehungsstilen. Aber leider vermisse ich diese Haltung zunehmend. <br>Hier l\u00e4uft etwas gewaltig schief!!! Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen daf\u00fcr zu sensibilisieren. Denn: <\/p>\n\n\n\n<p>1. Bindungsorientierung ist nicht alles. So gut sie auch ist. <\/p>\n\n\n\n<p>2. Ein Blick \u00fcber den Tellerrand der eigenen Bubble tut gut und hilft, unseren Blick zu weiten.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die M\u00fctter sind NICHT Schuld an der \u00dcberlastung und \u00dcberforderung! Das Ganze ist komplex. Es liegt an einem patriarchalen System, in dem M\u00fctter immernoch die Hauptverantwortung f\u00fcr die Care-Arbeit tragen und daran zunehmend leiden. Dazu ein andermal mehr. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lese einen Post auf Insta, betitelt mit \u201eKeine gute Mutter\u201c. 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Augenh\u00f6he, Liebe, Respekt, Akzeptanz, sind Schlagworte dieser Runde. Soweit so gut. Werte, die f\u00fcr sich stehen und nach denen wir irgendwie alle streben. Ich w\u00fcrde behaupten niemand f\u00fchlt sich gut, wenn er\/sie das eigene Kind angeschrien hat und doch passiert das jedem Elternteil mal. Um nicht falsch verstanden zu werden: ich lehne jegliche Gewalt an Kindern ganz entschieden ab und m\u00f6chte in keiner Weise legitimieren, dass Kinder angebr\u00fcllt oder gar hart angefasst werden. Was mich aber erschreckt, ist der Konsens dieser Community: Wir erziehen unsere Kinder bindungsorientiert und liebevoll. Wir wollen nicht ausrasten und tun es doch, weil es so hart ist, weil wir so schlecht gepr\u00e4gt wurden in unserer eigenen Kindheit. Wir wollen es besser machen und arbeiten jetzt an unserem inneren Kind (allein und ohne therapeutische Begleitung? \u2013 ich w\u00fcsste jetzt nicht auf Anhieb, wie das geht). Wir psychologisieren das Problem, gehen es an und machen es morgen besser. Das Problem wird so individualisiert und die Verantwortung, es morgen besser machen zu wollen und zu m\u00fcssen liegt allein bei den M\u00fcttern. Es gibt keine Idee davon, dass es vielleicht auch Entlastung und Unterst\u00fctzung br\u00e4uchte, wenn Ausraster zur Regelm\u00e4\u00dfigkeit werden. Denn am n\u00e4chsten Tag wird deutlich: Es hat wieder nicht geklappt! Dann kommen M\u00fctter in einen Kreislauf der eigenen Verurteilung. Sie sch\u00e4men sich \u00fcber ihr eigenes Verhalten und sagen sich selbst: Ich bin keine gute Mutter! Wir M\u00fctter wollen Familienleben ver\u00e4ndern. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt. Aber es kostet uns alle Kraft, wir sind verunsichert und rasten aus. So sind wir keine guten M\u00fctter! Wir suchen Hilfe und Best\u00e4tigung in der Community, finden sie und machen gerade so weiter. Denn wir sind in jedem Fall auf dem richten Weg. Bindungsorientierung ist DIE L\u00f6sung! Achtung: Hier wird mit einem idealen Leitbild gearbeitet, das nicht erreichbar ist! M\u00fctter sollen allzeit gut sein. Nicht w\u00fctend, oder wenn, dann wenigstens das eigene Gef\u00fchl rechtzeitig bemerken, benennen und gegensteuern. Zumindest gut in der Selbstf\u00fcrsorge sollten M\u00fctter sein, damit die Ausraster weniger werden. Dann k\u00f6nnen sie eine gute und sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen und ihnen die bestm\u00f6glichen Startchancen in unserer chaotischen Welt erm\u00f6glichen. Die M\u00fctter sind verantwortlich! Und sie m\u00fcssen verf\u00fcgbar sein. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie mehr Stunden arbeiten gehen als der Durchschnitt, wenn sie sich rausziehen aus dem Familienalltag, weil sie eine Pause brauchen, wenn sie nicht 24h f\u00fcr ihre Kinder da sind. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c Es kommt noch schlimmer. Dieses unerreichbare Idealbild macht nicht nur den M\u00fcttern, die danach streben enormen Druck, sondern f\u00fchrt zu einer \u00fcberheblichen Haltung all denjenigen M\u00fcttern gegen\u00fcber, die vermeintlich weit vom Ideal entfernt sind. So berichtet mir eine Freundin von einem Gespr\u00e4ch in einer Gruppe von M\u00fcttern. Eine der Frauen emp\u00f6rte sich dar\u00fcber, wie es denn sein k\u00f6nne, dass manche Eltern ihre Kinder bis zum sp\u00e4ten Nachmittag in einer Einrichtung betreuen lassen. Sie behauptete, diese Eltern w\u00fcrden sich zu wenig Zeit f\u00fcr die eigenen Kinder nehmen. Meine Freundin merkte an, dass es Familien gibt, in denen beide Elternteile lange arbeiten m\u00fcssten, um gen\u00fcgend Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie zu erwirtschaften. Unverst\u00e4ndnis. Nicht nur von der einen Mutter in der Runde.\u00a0 Erschrocken hielt sich meine Freundin mit weiteren Kommentaren zur\u00fcck. &#8220;Wie kann es sein, dass manchen Menschen der Weitblick f\u00fcr Familien in anderen Lebenssituationen fehlt?&#8221;, fragt sie mich und wir schauen einander betroffen an. Es ist erschreckend, wie sehr das Ideal einer bindungsorientierten Erziehung (so gut es in seinem Kern auch ist) zu Verurteilung und Ausschluss anderer f\u00fchrt! Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch Menschen mit Weitblick und einer offenen Haltung gegen\u00fcber anderen Lebens- und Erziehungsstilen. Aber leider vermisse ich diese Haltung zunehmend. Hier l\u00e4uft etwas gewaltig schief!!! Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen daf\u00fcr zu sensibilisieren. Denn: 1. Bindungsorientierung ist nicht alles. So gut sie auch ist. 2. Ein Blick \u00fcber den Tellerrand der eigenen Bubble tut gut und hilft, unseren Blick zu weiten. 3. 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Es ist ICH.\u201c Die L\u00f6sung ist f\u00fcr sie, \u201edas kleine M\u00e4dchen, dass sich dort versteckt, dass ich auch bin und das gut ist\u201c an die Hand zu nehmen \u2013 also mit ihrem inneren Kind zu arbeiten, eigene Anteile aufzuarbeiten, um es am n\u00e4chsten Tag besser machen zu k\u00f6nnen. Erschrocken nehme ich zur Kenntnis, wie viele tausend Likes der Insta-Beitrag hat und scrolle zu den Kommentaren. Mehr als 200-fache Best\u00e4tigung. Tr\u00e4nen der Erleichterung. Anderen geht es auch so. Dankesworte an marliesjohanna, denn sie bringt das eigene Erleben so gut auf den Punkt. Ungl\u00e4ubig scrolle ich von Kommentar zu Kommentar. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c fragt die ethnografisch forschende Neugierde in mir. Was ist hier los? Ganz klar befinden wir uns hier in der Bubble der BO-Community. Wir erziehen unsere Kinder liebevoll und bindungsorientiert. Da geh\u00f6ren keine Ausraster dazu. Auch keine Strafen oder Manipulation von Kindern. Augenh\u00f6he, Liebe, Respekt, Akzeptanz, sind Schlagworte dieser Runde. Soweit so gut. Werte, die f\u00fcr sich stehen und nach denen wir irgendwie alle streben. Ich w\u00fcrde behaupten niemand f\u00fchlt sich gut, wenn er\/sie das eigene Kind angeschrien hat und doch passiert das jedem Elternteil mal. Um nicht falsch verstanden zu werden: ich lehne jegliche Gewalt an Kindern ganz entschieden ab und m\u00f6chte in keiner Weise legitimieren, dass Kinder angebr\u00fcllt oder gar hart angefasst werden. Was mich aber erschreckt, ist der Konsens dieser Community: Wir erziehen unsere Kinder bindungsorientiert und liebevoll. Wir wollen nicht ausrasten und tun es doch, weil es so hart ist, weil wir so schlecht gepr\u00e4gt wurden in unserer eigenen Kindheit. Wir wollen es besser machen und arbeiten jetzt an unserem inneren Kind (allein und ohne therapeutische Begleitung? \u2013 ich w\u00fcsste jetzt nicht auf Anhieb, wie das geht). Wir psychologisieren das Problem, gehen es an und machen es morgen besser. Das Problem wird so individualisiert und die Verantwortung, es morgen besser machen zu wollen und zu m\u00fcssen liegt allein bei den M\u00fcttern. Es gibt keine Idee davon, dass es vielleicht auch Entlastung und Unterst\u00fctzung br\u00e4uchte, wenn Ausraster zur Regelm\u00e4\u00dfigkeit werden. Denn am n\u00e4chsten Tag wird deutlich: Es hat wieder nicht geklappt! Dann kommen M\u00fctter in einen Kreislauf der eigenen Verurteilung. Sie sch\u00e4men sich \u00fcber ihr eigenes Verhalten und sagen sich selbst: Ich bin keine gute Mutter! Wir M\u00fctter wollen Familienleben ver\u00e4ndern. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt. Aber es kostet uns alle Kraft, wir sind verunsichert und rasten aus. So sind wir keine guten M\u00fctter! Wir suchen Hilfe und Best\u00e4tigung in der Community, finden sie und machen gerade so weiter. Denn wir sind in jedem Fall auf dem richten Weg. Bindungsorientierung ist DIE L\u00f6sung! Achtung: Hier wird mit einem idealen Leitbild gearbeitet, das nicht erreichbar ist! M\u00fctter sollen allzeit gut sein. Nicht w\u00fctend, oder wenn, dann wenigstens das eigene Gef\u00fchl rechtzeitig bemerken, benennen und gegensteuern. Zumindest gut in der Selbstf\u00fcrsorge sollten M\u00fctter sein, damit die Ausraster weniger werden. Dann k\u00f6nnen sie eine gute und sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen und ihnen die bestm\u00f6glichen Startchancen in unserer chaotischen Welt erm\u00f6glichen. Die M\u00fctter sind verantwortlich! Und sie m\u00fcssen verf\u00fcgbar sein. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie mehr Stunden arbeiten gehen als der Durchschnitt, wenn sie sich rausziehen aus dem Familienalltag, weil sie eine Pause brauchen, wenn sie nicht 24h f\u00fcr ihre Kinder da sind. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c Es kommt noch schlimmer. Dieses unerreichbare Idealbild macht nicht nur den M\u00fcttern, die danach streben enormen Druck, sondern f\u00fchrt zu einer \u00fcberheblichen Haltung all denjenigen M\u00fcttern gegen\u00fcber, die vermeintlich weit vom Ideal entfernt sind. So berichtet mir eine Freundin von einem Gespr\u00e4ch in einer Gruppe von M\u00fcttern. Eine der Frauen emp\u00f6rte sich dar\u00fcber, wie es denn sein k\u00f6nne, dass manche Eltern ihre Kinder bis zum sp\u00e4ten Nachmittag in einer Einrichtung betreuen lassen. Sie behauptete, diese Eltern w\u00fcrden sich zu wenig Zeit f\u00fcr die eigenen Kinder nehmen. Meine Freundin merkte an, dass es Familien gibt, in denen beide Elternteile lange arbeiten m\u00fcssten, um gen\u00fcgend Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie zu erwirtschaften. Unverst\u00e4ndnis. 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Augenh\u00f6he, Liebe, Respekt, Akzeptanz, sind Schlagworte dieser Runde. Soweit so gut. Werte, die f\u00fcr sich stehen und nach denen wir irgendwie alle streben. Ich w\u00fcrde behaupten niemand f\u00fchlt sich gut, wenn er\/sie das eigene Kind angeschrien hat und doch passiert das jedem Elternteil mal. Um nicht falsch verstanden zu werden: ich lehne jegliche Gewalt an Kindern ganz entschieden ab und m\u00f6chte in keiner Weise legitimieren, dass Kinder angebr\u00fcllt oder gar hart angefasst werden. Was mich aber erschreckt, ist der Konsens dieser Community: Wir erziehen unsere Kinder bindungsorientiert und liebevoll. Wir wollen nicht ausrasten und tun es doch, weil es so hart ist, weil wir so schlecht gepr\u00e4gt wurden in unserer eigenen Kindheit. Wir wollen es besser machen und arbeiten jetzt an unserem inneren Kind (allein und ohne therapeutische Begleitung? \u2013 ich w\u00fcsste jetzt nicht auf Anhieb, wie das geht). Wir psychologisieren das Problem, gehen es an und machen es morgen besser. Das Problem wird so individualisiert und die Verantwortung, es morgen besser machen zu wollen und zu m\u00fcssen liegt allein bei den M\u00fcttern. Es gibt keine Idee davon, dass es vielleicht auch Entlastung und Unterst\u00fctzung br\u00e4uchte, wenn Ausraster zur Regelm\u00e4\u00dfigkeit werden. Denn am n\u00e4chsten Tag wird deutlich: Es hat wieder nicht geklappt! Dann kommen M\u00fctter in einen Kreislauf der eigenen Verurteilung. Sie sch\u00e4men sich \u00fcber ihr eigenes Verhalten und sagen sich selbst: Ich bin keine gute Mutter! Wir M\u00fctter wollen Familienleben ver\u00e4ndern. Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt. Aber es kostet uns alle Kraft, wir sind verunsichert und rasten aus. So sind wir keine guten M\u00fctter! Wir suchen Hilfe und Best\u00e4tigung in der Community, finden sie und machen gerade so weiter. Denn wir sind in jedem Fall auf dem richten Weg. Bindungsorientierung ist DIE L\u00f6sung! Achtung: Hier wird mit einem idealen Leitbild gearbeitet, das nicht erreichbar ist! M\u00fctter sollen allzeit gut sein. Nicht w\u00fctend, oder wenn, dann wenigstens das eigene Gef\u00fchl rechtzeitig bemerken, benennen und gegensteuern. Zumindest gut in der Selbstf\u00fcrsorge sollten M\u00fctter sein, damit die Ausraster weniger werden. Dann k\u00f6nnen sie eine gute und sichere Bindung zu ihren Kindern aufbauen und ihnen die bestm\u00f6glichen Startchancen in unserer chaotischen Welt erm\u00f6glichen. Die M\u00fctter sind verantwortlich! Und sie m\u00fcssen verf\u00fcgbar sein. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie mehr Stunden arbeiten gehen als der Durchschnitt, wenn sie sich rausziehen aus dem Familienalltag, weil sie eine Pause brauchen, wenn sie nicht 24h f\u00fcr ihre Kinder da sind. \u201eWhat the hell is going on here?\u201c Es kommt noch schlimmer. Dieses unerreichbare Idealbild macht nicht nur den M\u00fcttern, die danach streben enormen Druck, sondern f\u00fchrt zu einer \u00fcberheblichen Haltung all denjenigen M\u00fcttern gegen\u00fcber, die vermeintlich weit vom Ideal entfernt sind. So berichtet mir eine Freundin von einem Gespr\u00e4ch in einer Gruppe von M\u00fcttern. Eine der Frauen emp\u00f6rte sich dar\u00fcber, wie es denn sein k\u00f6nne, dass manche Eltern ihre Kinder bis zum sp\u00e4ten Nachmittag in einer Einrichtung betreuen lassen. Sie behauptete, diese Eltern w\u00fcrden sich zu wenig Zeit f\u00fcr die eigenen Kinder nehmen. Meine Freundin merkte an, dass es Familien gibt, in denen beide Elternteile lange arbeiten m\u00fcssten, um gen\u00fcgend Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie zu erwirtschaften. Unverst\u00e4ndnis. Nicht nur von der einen Mutter in der Runde.\u00a0 Erschrocken hielt sich meine Freundin mit weiteren Kommentaren zur\u00fcck. &#8220;Wie kann es sein, dass manchen Menschen der Weitblick f\u00fcr Familien in anderen Lebenssituationen fehlt?&#8221;, fragt sie mich und wir schauen einander betroffen an. Es ist erschreckend, wie sehr das Ideal einer bindungsorientierten Erziehung (so gut es in seinem Kern auch ist) zu Verurteilung und Ausschluss anderer f\u00fchrt! Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch Menschen mit Weitblick und einer offenen Haltung gegen\u00fcber anderen Lebens- und Erziehungsstilen. Aber leider vermisse ich diese Haltung zunehmend. Hier l\u00e4uft etwas gewaltig schief!!! Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen daf\u00fcr zu sensibilisieren. Denn: 1. Bindungsorientierung ist nicht alles. So gut sie auch ist. 2. Ein Blick \u00fcber den Tellerrand der eigenen Bubble tut gut und hilft, unseren Blick zu weiten. 3. Die M\u00fctter sind NICHT Schuld an der \u00dcberlastung und \u00dcberforderung! Das Ganze ist komplex. Es liegt an einem patriarchalen System, in dem M\u00fctter immernoch die Hauptverantwortung f\u00fcr die Care-Arbeit tragen und daran zunehmend leiden. 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